2021

2021 habe ich mir vorgenommen noch mehr auf Qualität denn auf Quantität zu setzen. Das liegt zu einem guten Teil daran, viele spannenden Aufgaben und beschränkte Zeit zu haben.

Erstmals seit vielen Jahren habe ich auch keine Jahreskarte gelöst, meine geschätzte Mur, einer der besten Huchenflüsse, ist zu weit entfernt. Ich möchte mir bei Zeitknappheit auch nicht mehr den latenten inneren Druck auferlegen ein Jahreskarte „ausnutzen“ zu müssen, außer das Gewässer wäre sozusagen vor der Haustüre. In Wien-Wieden beschränkt sich das dann auf den Donaukanal und den Wienfluss auf Höhe Stadtpark. Letzteres ist spaßig gemeint, in der Galerie am Ende des Beitrages siehst du aber ein Foto, das prinzipielles Potenzial mehr als erkennen lässt.

2021 werde ich auch wieder neue Flüsse und Flussabschnitte entdecken, mit Fokus auf schöne Umgebung, naturnahe Gewässer und einen gesunden Fischbestand. Mit gesund meine ich nicht unbedingt viele Fische, aber bitte das Gegenteil von „Betonbecken-Besatzfischen“ oder sonstigen offenkundigen Mastfischen mit defekten Flossen, da bin ich mittlerweile empfindlich.

Im Reich der Salmoniden ist schlechter Besatz leider ein weit verbreitetes Phänomen – im Prinzip ist das „put and take“ – lange überstehen diese Fische ohnehin nicht im bewirtschafteten Abschnitt, sei es dem nächsten Hochwasser, Fressfeinden oder eben einem Angler geschuldet. Bei manchen solcherart bedauernswerter Kreaturen stell ich mir dann die Frage ob ich sie erlösen soll oder ober ich sie überhaupt essen mag.

Pielach bei Prinzersdorf im mittleren Bereich des 2 km langen Reviers.

Wichtig ist mir mittlerweile auch die Achtsamkeit. Bewusst genießen, auch mal hinsetzen und dem Treiben am Wasser zusehen kann mehr Einblick in ein Gewässer bringen als die kompromisslose Jagd nach dem nächsten Kapitalen. Und gerne teile ich auch meine so gewonnenen Eindrücke der Reviere.

Bisher war ich 2021 an der Pielach bei Prinzersdorf (Huchenfischen), 2 × an der Donau bei Orth und in der Unrechttraisen bei Hohenberg. Ein kurzes Resümee zu diesen drei Revieren:

Donau bei Orth: Sehr schönes linksseitiges Bundesforste-Revier mit guter Strukturierung. Da Spinnfischen nur vom 01.06 bis zum 31.12. erlaubt ist, nutzte ich die Gelegenheit um mit einem nicht-fischenden Freund zu plaudern und praktizierte Ansitzfischen auf Wels und Flusskarpfen. Da ich Ansitzfischen in den letzten 10 Jahren jetzt 3 × probierte und die Wassertemperatur rund 7 °C betrug, werte ich den einen abgekommenen Fisch als Erfolg. Zumindest im Nachhinein. Bei Wasserführungen bis zu 2000 m3/s und relativ klarem Wasser landschaftlich für Donau-Verhältnisse top.

Die Donau bei Orth. Am Buhnenkopf Position bezogen.

Pielach bei Prinzersdorf: Rund 2 km Pielach Fluss mit Nebengerinnen. Ich war zum Huchenfischen mit der Fliegenrute unterwegs, gesehen habe ich sogar kapitale Huchen, der nette Aufseher hat mir die Huchenplätze auch gut beschrieben. Zum Fang war einfach nicht der richtige Tag, das Wasser Gin-klar. Ein Kritikpunkt ist der spärliche landschaftliche Reiz. Es gibt einen wunderschönen, natürlichen Abschnitt in der Mitte der Strecke und mit Abstrichen noch einen gegen Ende – in Summe sind das dann wahrscheinlich aber nur rund 300-400 m, der Rest ist doch eher stark denaturiert. Der Preis der Huchenkarte ist mit 80 € angemessen, zum Huchenfischen würde ich wiederkommen.

Unrechttraisen: Als Bach mit gutem, natürlichem Salmoniden-Aufkommen beschrieben, wird das Gewässer seiner Beschreibung weitgehend gerecht. Wer ein bisschen mehr Wasserführung bevorzugt, sollte sich auf den Abschnitt unterhalb von Thorhof konzentrieren. Es wechseln naturnahe Bereiche mit stark denaturierten Bereichen und den (Unrecht)Traisental typischen Ausleitungen mit gering dotiertem Restwasser. Insgesamt ein sehr langes Revier, das man innerhalb eines Angeltages kaum vollständig begehen kann. Bei einem lang gezogenen Hotspot oberhalb des Wehres bei „In der Bruck“ sieht und fängt man offensichtliche Regenbogen-Besatzfische. Das mit dem natürlichen Aufkommen stimmt, man fängt aber genauso stark schwarzgepunktete Besatz-Bachforellen und wie eben erwähnt recht schöne Zucht-Regenbogenforellen in 30-40 cm Größe. Ein Lizenzpreis von 95 € für nicht ÖFG-Mitglieder und 85 € für Mitglieder ist subjektiv grenzwertig, einmalig kann man sich das aber ansehen. Ich habe mir einen bewussten und entspannten Tag in der Sonne gegönnt und 3 Forellen entnommen, die 2 Tage später sehr gut geschmeckt haben.

Unrechttraisen etwas über „In der Bruck“.

So weit mein fischereiliches Jahr 2021 bis jetzt. Was habe ich hinsichtlich Erkundung noch Konkretes überlegt?

  • Die Fischa Dagnitz: DER Mailfliegenfluss vor den Toren Wiens. In diesem ÖFG-Revier gibt es heuer eine Beschränkung der Tageskarten während der Maifliegenzeit. Ein Forenkollege hat dazu vor einiger Zeit einen lesenswerten Beitrag geschrieben. Wer dies liest und nicht hin will, dem kann die Fliegenfischerei nicht mehr viel bieten.
  • Ois und Kleiner Kamp Strecken von den „Die Bewirtschafter“ Bewirtschaftern. Tolles Konzept, das auf Beschränkung des Fischereidruckes und Entnahmefenstern fußt. Man könnte auch Nachhaltigkeit dazu sagen.
  • Eine Strecke am Großen Kamp – als Südweststeirer empfinde ich die Bernsteinfarbe der Gewässer der Böhmischen Masse (in Österreich Granit- und Gneishochland, nördlich der Donau) noch immer als exotisch-schön. Die Strecke der Gemeinde Gars am Kamp habe ich bereits 2 × befischt, es wartet dort ein sehr guter Bestand schöner Bachforellen. Die zur Entnahme bestimmten Zucht-Regenbogenforellen waren 2020 leider in bedauerlichem körperlichen Zustand, sofern man aus den gefangenen Exemplaren gesicherte Rückschlüsse auf den gesamten put-and-take Besatz ziehen kann.
  • An der Erlauf gibt es 2 (EVN-)Strecken zwischen dem Erlaufsee und Erlaufboden, die ein mutmaßlich gutes Preis-/Leistungsverhältnis aufweisen. Die untere Strecke sieht nach ursprünglicher Schlucht aus und könnte etwas für wärmere Tage sein.
  • Die Feistritz-Strecke der ÖFG. Fehlt mir als Steirer einfach noch, ich hoffe die Landschaft und ein wenig verbauter Fluss rechtfertigen den Preis. Die ÖFG-Lafnitz in der näheren Umgebung des Feistritz-Reviers hat letztes Jahr ihr Versprechen mehr als gehalten. Auch wenn sich einiges an Besatz in der Lafnitz tummelt, kann man trotzdem wunderschöne natürliche Bachforellen fangen.
  • Die Schwarza mit ihrem Höllental ist ein weiteres, vielbesprochenes ÖFG-Highlight.
  • Das Leitha-Revier „Leitha-Ursprung“ der ÖFG, mein bisheriger persönlicher Sieger aus einer Gewichtung von Entfernung zu Wien, Lizenzpreis, Fischbestand und Natürlichkeit.

Mit einer Galerie aus Fotos der erwähnten, bereits befischten Gewässer schließe ich Resümee und Ausblick und hoffe auf weitere traumhafte Tage am Wasser.

Liebe Grüße

Peter

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